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GESCHICHTE- Der Staat Israel

 
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Der Staat Israel
 
     
Unabhängigkeit

Am 14. Mai 1948 wurde der Staat Israel gemäß dem UN-Teilungsplan von 1947 ausgerufen. Keine 24 Stunden danach fielen die Streitkräfte Ägyptens, Jordaniens, Syriens, des Libanon und des Irak in das Land ein und zwangen Israel, die in seiner alten Heimat wieder erlangte und von der internationalen Gemeinschaft anerkannte Souveränität mit Waffengewalt zu verteidigen. In diesem Unabhängigkeitskrieg Israels, der mit Unterbrechungen 15 Monate dauerte, konnten die gerade erst aufgestellten, schlecht ausgerüsteten israelischen Verteidigungsstreitkräfte die Angreifer zurückwerfen. Die heftigen Kämpfe forderten unter den Israelis über 6000 Todesopfer, fast 1% der damaligen jüdischen Gesamtbevölkerung des Landes.


In den ersten Monaten des Jahres 1949 fanden unter Aufsicht der UNO direkte Verhandlungen zwischen Israel und jedem der Invasoren statt (mit Ausnahme des Irak, der bis heute Verhandlungen mit Israel strikt ablehnt), die zu Waffenstillstandsabkommen auf der Grundlage der Fronten am Ende der Kampfhandlungen führten. Damit waren die Küstenebene, Galiläa und der gesamte Negev unter israelischer Herrschaft. Judäa und Samaria (das Westjordanland) kamen unter jordanische Regierungsgewalt, der Gazastreifen unter ägyptische Verwaltung. Jerusalem wurde in einen von Jordanien kontrollierten Ostsektor mit der Altstadt und einen israelischen Westsektor geteilt.

 
 

 

David Ben-Gurion, der visionäre Staatsmann
Shabtai Tal
 
 
Aufbaujahre

Nach dem Ende des Krieges konnte Israel sich ganz dem Aufbau des so hart errungenen Staates zuwenden. Am 25. Januar 1949 wurden in den ersten Parlamentswahlen die 120 Abgeordneten der ersten Knesset gewählt; die Wahlbeteiligung betrug fast 85%. Zwei Persönlichkeiten, die Israel in die Unabhängigkeit geführt hatten, wurden die ersten Staatsoberhäupter: David Ben-Gurion, der Chef der Jewish Agency, wurde der erste Premierminister des Landes, Chaim Weizmann, der Leiter der Zionistischen Weltorganisation, wurde von der Knesset zum ersten Staatspräsidenten gewählt. Am 11. Mai 1949 erhielt Israel als 59. Mitglied seinen Sitz in den Vereinten Nationen.



Getreu der Idee der Sammlung der Zerstreuten - Israels wahrem Daseinszweck - öffnete das Land seine Tore weit und gewährte jedem Juden das Recht, nach Israel zu kommen und dabei automatisch die Staatsbürgerschaft zu erwerben. In den ersten vier Monaten der Unabhängigkeit erreichten etwa 50000 Einwanderer, die meisten Überlebende des Holocausts, die Küsten Israels. Bis Ende 1951 kamen 687000 Männer, Frauen und Kinder, darunter über 300000 Flüchtlinge aus arabischen Ländern. Damit hatte sich die jüdische Bevölkerung in nur drei Jahren verdoppelt.

 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die enormen wirtschaftlichen Belastungen, die der Unabhängigkeitskrieg und die rasch anwachsende Bevölkerung mit sich brachten, erforderten einen strikten Sparkurs im Land und Finanzhilfen aus dem Ausland. Wirtschaftshilfen der US-Regierung, Darlehen von amerikanischen Banken, Spenden aus der jüdischen Diaspora und deutsche Wiedergutmachungsleistungen flossen in den Wohnungsbau, die Mechanisierung der Landwirtschaft, die Gründung einer Handelsflotte und einer eigenen Luftfahrtgesellschaft, die Erschließung von Bodenschätzen, die industrielle Entwicklung und den Ausbau des Straßen-, Telefon- und Stromnetzes.

Zehn Jahre nach der Staatsgründung hatten sich die Industrieproduktion und die Zahl der Arbeitsplätze verdoppelt, der Export von industriell gefertigten Erzeugnissen sogar vervierfacht. Dank der zielstrebigen Erweiterung der Anbauflächen war das Land in allen Grundnahrungsmitteln außer Fleisch und Getreide zum Selbstversorger geworden. Etwa 20000 Hektar Ödland waren aufgeforstet und auf einer Gesamtstrecke von 800 km Straßenbäume gepflanzt worden.

Das in der Zeit vor der Staatsgründung von der jüdischen Gemeinschaft aufgebaute Schulsystem erhielt einen arabischen Zweig und wurde weiter ausgebaut. Für alle Kinder von 5-14 Jahren wurde die Schulpflicht eingeführt; der Schulbesuch war kostenlos. (Seit 1978 besteht Schulpflicht bis 16 Jahre und kostenloser Schulbesuch bis 18 Jahre.) Kultur und Kunst blühten. Es entstand eine Mischung aus nahöstlichen, nordafrikanischen und westlichen Elementen, da die aus aller Welt kommenden Juden die besonderen Traditionen ihrer eigenen jüdischen Gemeinschaften und die der Länder, in denen sie generationenlang gelebt hatten, mit sich brachten.

Als Israel seinen 10. Geburtstag feierte, betrug die Einwohnerzahl über 2 Millionen.


Sinai-Feldzug, 1956

Die Jahre des Aufbaus wurden von schweren Sicherheitsproblemen überschattet. Die Waffenstillstandsvereinbarungen von 1949 führten nicht zu einem dauerhaften Frieden und wurden zudem immer wieder verletzt. In Missachtung der UNO-Resolution vom 1. September 1951 durften israelische und nach Israel fahrende Schiffe nicht den Suezkanal passieren; die Blockade der Straße von Tiran am Ausgang zum Roten Meer wurde verschärft. Immer häufiger fielen terroristische Kommandos aus den arabischen Nachbarstaaten mordend und sabotierend in Israel ein. Die Sinai-Halbinsel wurde nach und nach in einen riesigen ägyptischen Militärstützpunkt verwandelt.

Als im Oktober 1956 Ägypten, Syrien und Jordanien ein militärisches Dreierbündnis schlossen, verstärkte sich die unmittelbare Bedrohung Israels. Es folgte ein acht Tage dauernder Kampf, in dem die israelischen Streitkräfte den Gazastreifen und die Sinai-Halbinsel bis 16 km östlich des Suez-Kanals erobern konnten.

Auf die Entscheidung der UNO hin, Friedenstruppen entlang der ägyptisch-israelischen Grenze zu stationieren, und die ägyptische Zusicherung freier Durchfahrt durch den Golf von Eilat zog sich Israel in mehreren Etappen (November 1956 - März 1957) aus den nur wenige Wochen zuvor eroberten Gebieten zurück. Daraufhin wurde die Straße von Tiran geöffnet, Israel konnte Handelsverbindungen mit Asien und Ostafrika aufnehmen und Öl aus dem Persischen Golf importieren.

 
 

Bau der Landeswasser- leitung (1964 fertiggestellt), die Wasser aus dem Norden und der Mitte des Landes in den trockenen Süden bringt.

  Konsolidierung

In dem zweiten Jahrzehnt (1958-1968) verdoppelte Israel seine Exporte, das Bruttosozialprodukt wuchs jährlich um etwa 10%. Papier, Autoreifen, Radios und Kühlschränke, die früher importiert werden mussten, stellte Israel jetzt selbst her. Das stärkste Wachstum erlebten die neuen Industriezweige Metallverarbeitung, Maschinenbau, Chemie und Elektronik. Da der Inlandsmarkt für die eigenen landwirtschaftlichen Produkte mehr und mehr gesättigt war, produzierte die Landwirtschaft verstärkt für die Lebensmittelindustrie sowie für den Export von Frischerzeugnissen. Um den stark angewachsenen Außenhandel besser zu bewältigen, wurde zur Entlastung des Hafens Haifa ein zweiter Tiefseehafen an der Mittelmeerküste bei Aschdod gebaut.

In Jerusalem wurde ein dauerhafter Sitz für die Knesset (das israelische Parlament) errichtet sowie neue Gebäude für das Hadassah-Krankenhaus und die Hebräische Universität gebaut. Deren ursprüngliche Einrichtungen auf dem Skopus-Berg waren seit der Teilung der Stadt im Unabhängigkeitskrieg nicht mehr zugänglich. Gleichzeitig wurde zur Bewahrung und Erforschung der Kulturschätze des jüdischen Volkes das Israel-Museum gegründet.

Israels internationale Beziehungen erweiterten sich ständig: Enge Verbindungen entstanden zu den Vereinigten Staaten, den Ländern des britischen Commonwealth, den meisten westeuropäischen Staaten, fast allen lateinamerikanischen und afrikanischen sowie zu einigen asiatischen Staaten. In umfassenden internationalen Kooperationsprogrammen gaben Hunderte israelischer Ärzte, Techniker, Lehrer, Wirtschafts- und Bewässerungsexperten und Jugendarbeiter ihr Wissen und ihre Erfahrung an Menschen anderer Entwicklungsländer weiter. 1965 nahm Israel volle diplomatische Beziehungen zur Bundesrepublik Deutschland auf. Ein Schritt, der wegen der bitteren Erinnerung des jüdischen Volkes an die Verbrechen des Nationalsozialistischen Regimes von 1933-1945 lange hinausgezögert worden war und erst nach erheblichem Widerstand und öffentlichen Diskussionen zustande kam.


Der Eichmann-Prozess

Im Mai 1960 wurde Adolf Eichmann, einer der Hauptorganisatoren des nationalsozialistischen Judenvernichtungsprogramms im 2. Weltkrieg nach Israel gebracht, um sich nach dem israelischen Gesetz zur Verfolgung nationalsozialistischer Verbrechen und Kollaboration von 1950 vor Gericht zu verantworten. Der Prozess begann im April 1961. Eichmann wurde der Verbrechen gegen die Menschlichkeit und gegen das jüdische Volk für schuldig befunden und zum Tode verurteilt. Nach Zurückweisung seiner Berufung durch den Obersten Gerichtshof wurde er am 30. Mai 1962 durch den Strang hingerichtet. Dies war das einzige Mal, dass unter israelischem Recht die Todesstrafe vollstreckt wurde.


Sechs-Tage-Krieg, 1967

Hoffnungen auf ein weiteres Jahrzehnt relativer Ruhe wurden bald durch zunehmende arabische Terroranschläge von der ägyptischen und der jordanischen Grenze aus zerschlagen. Es kam zu hartnäckigen Beschuss landwirtschaftlicher Siedlungen in Nordgaliläa durch die syrische Artillerie und zu einer massiven Aufrüstung der arabischen Nachbarstaaten. Als Ägypten im Mai 1967 erneut mit massivem Truppenaufmarsch im Sinai begann, die seit 1957 dort stationierten UN-Friedenstruppen zum Abzug aufforderte, die Straße von Tiran wieder sperrte und ein Militärbündnis mit Jordanien schloss, fand sich Israel erneut von feindlichen arabischen Armeen eingekreist. Da Ägypten die Vereinbarungen, die nach dem Sinai-Feldzug von 1956 geschlossen worden waren, verletzt hatte, führte Israel in Ausübung seines Rechtes auf Selbstverteidigung am 5. Juni 1967 einen Präventivschlag gegen Ägypten im Süden aus, dicht gefolgt von einem Gegenangriff auf Jordanien im Osten und die auf den Golanhöhen verschanzten Syrer im Norden.

Nach sechstägigen Kämpfen wurden die früheren Waffenstillstandslinien durch neue ersetzt. Israel hatte Judäa, Samaria, Gaza, die Sinaihalbinsel und die Golanhöhen unter seine Kontrolle gebracht. Damit konnten die Dörfer im Norden, die 19 Jahre lang unter syrischem Beschuss gelitten hatten, endlich in Frieden leben; israelischen und nach Israel fahrenden Schiffen wurde die Durchfahrt durch die Straße von Tiran zugesichert; Jerusalem, das seit 1949 zwischen Israel und Jordanien zweigeteilt gewesen war, wurde unter israelischer Regierungshoheit wieder vereinigt.

 
 

 

 
Von Krieg zu Krieg

Die große diplomatische Herausforderung für Israel nach dem Sechs-Tage-Krieg war die Umsetzung militärischer Gewinne in einen dauerhaften Frieden, auf der Basis der UN-Sicherheitsratsresolution Nr. 242, die u. a. die Anerkennung der Souveränität, territorialen Integrität und politischen Unabhängigkeit aller Staaten in der Region und ihr Recht, innerhalb sicherer und anerkannter Grenzen in Frieden und in Freiheit von Drohung oder Gewalt zu leben forderte. Die arabische Position dagegen, wie sie auf der Gipfelkonferenz von Khartum (Sudan) im August 1967 formuliert wurde, lautete: Kein Frieden mit Israel, keine Verhandlungen mit Israel, keine Anerkennung Israels. Im September 1968 begann Ägypten einen Zermürbungskrieg mit sporadischen Störungsaktionen am Suezkanal, die nach und nach in heftige Gefechte mit hohen Verlusten auf beiden Seiten eskalierten. Die Feindseligkeiten endeten 1970, als Ägypten und Israel einen erneuten Waffenstillstand am Suezkanal eingingen.

 
   
Jom-Kippur-Krieg, 1973

Am 6. Oktober 1973, am jüdischen Jom Kippur (Versöhnungstag, der höchste Feiertag des jüdischen Jahres) wurden drei relativ ruhige Jahre jäh beendet. Ägypten und Syrien starteten einen koordinierten Überraschungsangriff auf Israel. Die ägyptische Armee überquerte den Suezkanal und syrische Truppen drangen in die Golanhöhen ein. In den folgenden drei Wochen gelang es den israelischen Streitkräften, die Angreifer zurückzudrängen und über den Suezkanal nach Ägypten sowie im Norden bis 32 km vor die syrische Hauptstadt Damaskus vorzustoßen. Nach zweijährigen schwierigen Verhandlungen zwischen Israel und Ägypten und zwischen Israel und Syrien wurde ein Truppenentflechtungsabkommen geschlossen, dem zufolge Israel sich aus Teilen der eroberten Gebiete wieder zurückzog.

 
    Von Krieg zu Frieden

Der Krieg 1973 kostete Israel das Bruttosozialprodukt eines ganzen Jahres. Aber schon in der zweiten Hälfte des Jahres 1974 erholte sich die Wirtschaft wieder. Ausländische Investitionen stiegen stark an. Die Anbindung Israels als assoziiertes Mitglied des Europäischen gemeinsamen Marktes (1975) öffneten den israelischen Produkten neue Absatzmärkte. Der Fremdenverkehr wuchs, und die jährliche Besucherzahl überschritt die Ein-Millionen-Grenze.

Bei den Knesset-Wahlen von 1977 löste der Likud-Block, eine Koalition aus liberalen und Zentrumsparteien, nach fast 30 Jahren den regierenden Arbeitsblock ab. Bei seinem Amtsantritt bekräftigte der neue Premierminister Menachem Begin wie seine Amtsvorgänger die Entschlossenheit Israels, auf einen dauerhaften Frieden in der Region hinzuarbeiten, und lud die arabischen Staatschefs an den Verhandlungstisch ein.


Die strikte arabische Ablehnung der israelischen Friedensangebote wurde mit dem Jerusalembesuch des ägyptischen Staatspräsidenten Anwar Sadat im November 1977 gebrochen. Unter amerikanischer Schirmherrschaft wurden Verhandlungen zwischen Ägypten und Israel in Gang gesetzt. Das Ergebnis dieser Gespräche waren die Camp-David-Vereinbarunge vom September 1978; ein Rahmenabkommen für einen umfassenden Frieden im Nahen Osten, das auch detaillierte Vorschläge für eine Selbstverwaltung der Palästinenser enthielt. Am 26. März 1979 unterzeichneten Israel und Ägypten in Washington einen Friedensvertrag, der den 30-jährigen Kriegszustand zwischen diesen beiden Ländern beendete.

 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Einwohner Nordisraels suchen häufig in Luftschutz- bunkern Zuflucht
  Vertragsgemäß zog sich Israel von der Sinaihalbinsel zurück. An die Stelle der früheren Waffenstillstandslinien- und abkommen traten gegenseitig anerkannte internationale Grenzen.

In den 80er Jahren erneuerten einige afrikanische Staaten die Beziehungen zu Israel, die sie während der Ölkrise 1973 auf arabischen Druck hin abgebrochen hatten, und gaben damit den wirtschaftlichen Beziehungen neuen Auftrieb und nahmen wieder formelle diplomatische Beziehungen auf.


OperationFrieden für Galiläa (1982)

Die internationale Grenzlinie mit dem Libanon war auf beiden Seiten nie strittig. Als jedoch die Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) nach ihrer Vertreibung aus Jordanien 1970 ihre Stützpunkte in den Südlibanon verlegte und von dort aus Terrorüberfälle gegen Städte und Dörfer in Nordisrael (Galiläa) verübte, die viele Menschenleben kosteten und großen Sachschaden anrichteten, überschritten die israelischen Verteidigungsstreitkräfte 1982 die Grenze zum Libanon. Die Operation Frieden für Galiläa konnte den Großteil der organisatorischen und militärischen Infrastruktur der PLO in diesem Gebiet beseitigen. Seit jener Zeit hält Israel an seiner Nordgrenze eine schmale Sicherheitszone im Südlibanon, um seine Bevölkerung in Galiläa vor den anhaltenden Angriffen feindlicher Elemente zu schützen.

 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  Innenpolitische Herausforderungen

In den 80er und 90er Jahren kamen über 750000 Neueinwanderer nach Israel, insbesondere aus der ehemaligen Sowjetunion, aus Osteuropa und Äthiopien. Durch den Zustrom so vieler neuer Verbraucher sowie die große Zahl gelernter und ungelernter Arbeitskräfte in Verbindung mit drastischen Maßnahmen zur Inflationsbekämpfung wurde das Wirtschaftswachstum gewaltig angekurbelt; das Bruttoinlandsprodukt verzeichnete eine der höchsten Wachstumsraten der westlichen Industrienationen.

Die Regierung, die nach den Knesset-Wahlen von 1984 an die Macht kam, setzte sich aus den beiden Hauptparteiblöcken, dem Arbeits- (Mitte-Links) und dem Likud-Block (Mitte-Rechts) zusammen. 1988 wurde sie von einer vom Likud beherrschten Koalition abgelöst, der 1992, nach Ablauf der 4-jährigen Legislaturperiode, eine Koalition aus dem Arbeitsblock und mehreren kleineren Mitte-Links-Parteien folgte. In all diesen Jahren bemühte sich jede Regierung, auf der Grundlage ihrer jeweiligen politischen Überzeugungen, um Frieden, wirtschaftliche Entwicklung und die Eingliederung von Einwanderern.


Der Friedensprozess

Seit der Unterzeichnung des ägyptisch-israelischen Friedensvertrag 1979 legten Israel und andere Staaten verschiedene Friedensinitiativen für den Nahen Osten vor. Diese Bemühungen führten schließlich im Oktober 1991 zur Einberufung der Nahost-Friedenskonferenz in Madrid unter amerikanischer und sowjetischer Schirmherrschaft, an der Vertreter Israels, Syriens, Jordaniens, des Libanon und der Palästinenser teilnahmen. Auf die offizielle Eröffnung der Konferenz folgten bilaterale Verhandlungen zwischen den Parteien und multilaterale Gespräche über regionale Belange.

Bilaterale Gespräche

Israel und die Palästinenser: Nach monatelangen intensiven Kontaktaufnahmen hinter den Kulissen zwischen Unterhändlern Israels und der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) in Oslo wurde eine Grundsatzerklärung ausgearbeitet, in der Vorkehrungen für eine palästinensische Selbstverwaltung im Westjordanland und im Gazastreifen getroffen wurden. Der Unterzeichnung ging ein Briefwechsel zwischen dem PLO-Vorsitzenden Jassir Arafat und Premierminister Jitzhak Rabin voraus (September 1993), in dem die PLO sich verpflichtete, auf Terrorakte zu verzichten, diejenigen Artikel aus ihrer Charta zu streichen, in denen die Existenzberechtigung Israels abgestritten wird, und für eine friedliche Lösung des jahrzehntelangen Konflikts zwischen Palästinensern und Juden in Israel einzutreten. Als Antwort erkannte Israel die PLO als Vertreterin des palästinensischen Volkes an.

Die von Israel und der PLO im September 1993 in Washington unterzeichnete Grundsatzerklärung enthält eine Reihe gegenseitig anerkannter, allgemeiner Grundsätze für eine 5-jährige Übergangszeit zur Einführung palästinensischer Selbstverwaltung, die in vier Stufen verwirklicht werden soll. Die erste Stufe, die Einführung der Selbstverwaltung im Gazastreifen und im Gebiet von Jericho, erfolgte im Mai 1994. Im August desselben Jahres lief die zweite Stufe an, in deren Verlauf palästinensischen Vertretern des Westjordanlandes zunächst Befugnisse und Verantwortlichkeit für fünf fest umrissene Gebiete übertragen wurden - Erziehung und Kultur, Gesundheitswesen, Sozialeinrichtungen, direkte Steuern und Fremdenverkehr. Das Interimsabkommen zwischen Israel und der PLO vom September 1995 war der Auftakt zur dritten Stufe, der Erweiterung der palästinensischen Selbstverwaltung im Westjordanland durch eine gewählte Selbstverwaltungsbehörde, dem Palästinenserrat, der es den Palästinensern ermöglicht, ihre inneren Angelegenheiten selbst zu regeln.

Die letzte Stufe, Verhandlungen zwischen den Parteien über einen endgültigen Status, begannen planmäßig im Mai 1996. In diesen Gesprächen wird einer dauerhaften Regelung Gestalt verliehen. Dabei kommen noch offene Fragen zur Sprache, wie etwa das Problem der Flüchtlinge und der Siedlungen, Sicherheitsfragen, Grenzen, Jerusalem und andere Themenkomplexe, die von gemeinsamem Interesse sind.

Israel und Jordanien: Drei Jahre dauernde Gespräche zwischen Jordanien und Israel im Anschluss an die Madrider Konferenz gipfelten im Juli 1994 in einer gemeinsamen Erklärung von König Hussein und Premierminister Jitzhak Rabin, die den 46-jährigen Kriegszustand zwischen ihren beiden Ländern beendete. Der jordanisch-israelische Friedensvertrag wurde am 26. Oktober 1994 am Grenzübergang in der Arava (zwischen Eilat in Israel und Aqaba in Jordanien) in Gegenwart des amerikanischen Präsidenten Bill Clinton unterzeichnet. Seither arbeiten Israel und Jordanien auf vielen Gebieten zum Wohle beider Länder zusammen.

Israel und Syrien: Im Rahmen der Madrider Abmachungen wurden in Washington Gespräche zwischen israelischen und syrischen Abordnungen aufgenommen und von Zeit zu Zeit auf Botschafterebene unter Mitwirkung hoher amerikanischer Beamter weitergeführt. Die jüngsten syrisch-israelischen Friedensgespräche (Dezember 1995 und Januar 1996) befassten sich mit Sicherheitsfragen und anderen Kernproblemen. Die ins Einzelne gehenden und umfassenden Gespräche ließen bedeutende Bereiche gedanklichen Einvernehmens und eine Annäherung der Standpunkte für künftige Unterredungen und Überlegungen erkennen.

Multilaterale Gespräche

Die multilateralen Gespräche sind ein wesentlicher Bestandteil des Friedensprozesses. Ihr Ziel ist es, Lösungen für Kernprobleme der Region zu suchen. Gleichzeitig dienen sie der Vertrauensbildung, indem sie auf die Normalisierung der Beziehungen zwischen den Völkern des Nahen Ostens hinarbeiten. In Anschluss an die Multilaterale Nahostkonferenz von Moskau im Januar 1992, an der 36 Länder und internationale Organisationen teilnahmen, bildeten die Abordnungen fünf Arbeitsgruppen, die sich mit Sachgebieten, die von gemeinsamem regionalen Interesse sind, befassen: Umweltschutz, Rüstungskontrolle und Sicherheit in der Region, Flüchtlingsfrage, Wasservorräte und Wirtschaftsentwicklung. Diese Arbeitsgruppen treten von Zeit zu Zeit an verschiedenen Orten der Region zusammen.

Die Ermordung von Premierminister Jitzhak Rabin am 4. November 1995 durch einen jüdischen Extremisten stürzte das Land in tiefe Trauer um einen Staatsmann und ehemaligen Soldaten, der das Schlachtfeld verlassen hatte, um die Nation zum Frieden zu führen.

 
    Israel auf dem Weg ins 21. Jahrhundert

Nach der Ermordung von Premierminister Jitzhak Rabin im November 1995 ernannte die Regierung, die berechtigt ist, einen Minister (der auch ein Mitglied der Knesset sein muss) bis zu den nächsten Wahlen zum Premierminister zu bestimmen, Außenminister Shimon Peres zum amtierenden Premierminister. Peres erhielt alle Rechte, die mit diesem Amt verbunden sind, außer dem Recht auf Auflösung der Knesset. Die Wahlen vom Mai 1996 brachten eine Koalitionsregierung aus nationalistischen und religiösen Elementen sowie Parteien der Mitte unter Führung von Benjamin Netanyahu von der Likud-Partei an die Macht.

Die Herausforderungen, denen sich die neue Regierung, die sich die Wahrung der Gesamtinteressen des Staates Israel zum Ziel setzte, gegenübersieht, sind unter anderem: Fortführung des Friedensprozesses, Gewährleistung der Sicherheit des Landes, Erweiterung seiner diplomatischen Beziehungen in allen Teilen der Welt, Verbesserung des Schulsystems durch kleinere Klassen und mehr Unterrichtsstunden pro Tag, gleiche Bildungschancen für alle, größere Gewichtung wissenschaftlicher und technischer Ausbildungsgänge im Interesse der israelischen Industrie, Erhöhung der wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit durch geringeres Eingreifen der Regierung, Abbau des Zahlungsbilanzdefizits, Erhaltung einer niedrigen Inflationsrate, Rationalisierung der Bürokratie des Staatsapparates, Steuererleichterungen, Lösung der Wohnungsprobleme und weiterer Ausbau der Infrastruktur. Ein ständiger Einwandererstrom und Fortschritte im Friedensprozess werden sich sicherlich positiv auf ein stetiges Wachstum bis ins nächste Jahrhundert auswirken.

Die Archäologie in Israel stellt eine wertvolle Verbindung zwischen der Vergangenheit des Landes und der Gegenwart dar, da an etwa 3500 Grabungsstätten Tausende von Jahren der Geschichte ans Licht kamen. Zahlreiche Funde bezeugen die lange Verbundenheit des jüdischen Volkes mit dem Land Israel, so die berühmten Ställe Salomos in Meggido (Jesreel-Ebene), Häuser aus der israelitischen Zeit in der Davidsstadt (Jerusalem), rituelle Bäder in Masada, zahlreiche Synagogen und nicht zuletzt die Schriftrollen vom Toten Meer mit dem frühesten erhaltenen Text des Buches Jesaja in noch lesbarer hebräischer Schrift. Auch Spuren anderer Kulturen, die das Land im Lauf der Jahrhunderte geprägt hatten, wurden bei Ausgrabungen gefunden. Alle Funde werden registriert, und historische Stätten werden - für Forscher wie für Besucher - sorgfältig erhalten und gekennzeichnet.

 
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